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Virtus

Was ist die Virtus?

Jede Zeit und jede Gemeinschaft hat bestimmte Vorstellungen, welche Eigenschaften ein Mann oder eine Frau haben sollte.  Die Römer hatten dafür den Begriff virtus (Pl. virtutes f.). In  virtus steckt vir (der Mann) und so  kann man virtus wörtlich mit „Mannhaftigkeit“ übersetzen.

Die virtus wurde als weibliche Gottheit verehrt. Ihr war ein eigener Tempel in Rom geweiht und ihre Darstellung findet sich oft auf Münzen.

Virtus SteinWeihestein für Virtus

Welche Virtutes sollte ein römischer Mann haben?

Er sollte wissen, wie er sich gegenüber den Göttern, dem Staat, den Eltern, seinen Freunden und seinen Kindern richtig verhält. Dies Eigenschaft heißt pietas.   Weiter sollte er fortitudo (Tapferkeit ) besitzen, fides (Treue) gegenüber Stadt, Volk und Familie üben. Sein  soll von moderatio (Mäßigung) constantia (Standhaftigkeit) geleitet sein. Für eine römische Frau galten andere Werte. Sie sollte sparsam, keusch (sexuell enthaltsam), folgsam und rechtschaffen sein.

Wie die Virtus wurden auch Pietas, Fides und Constantia als weibliche Gottheiten verehrt und auf Münzen abgebildet.

constantia

 

Kann man virtus mit  Tugend übersetzen?

Im Deutschen wird virtus oft mit „Tugend“ wiedergegeben. Das Wort Tugend ist mit "taugen" verwandt. Ursprünglich bezeichnet also Tugend die Tauglichkeit einer Sache oder einer Person.

Allerdings ändert sich unter dem Einfluss der christlichen Kirche die Bedeutung des Begriffes Tugend im Mittelalter. Tugend wird seitdem im Sinn von „keusch“  verstanden. Da Keuschheit keine Eigenschaft ist, die ein römischer Mann haben sollte, ist die Übersetzung „Tugend“ also missverständlich.

 

Wer ist ein vorbildlicher Römer?

Das bekannteste Vorbild für pietas ist Aeneas, der seinen Vater, seinen Sohn und die Statuen der Hausgötter aus dem brennenden Troja rettet. Aber auch die Helden der frühen Republik verkörpern die oben genannten Eigenschaften vorbildlich. Indem diese Helden die junge Republik, die eben erst durch die Vertreibung der Könige entstandende war,  unter Einsatz ihres eigenen Lebens verteidigten, zeigten sie fortitudo, fides und pietas. Ihre Heldentaten wurden immer weiter erzählt und von vielen Dichtern bis zum Ende des römischen Reiches neu erzählt.

Neben den Helden aus längst vergangenen Tagen waren auch die Gladiatoren vorbildliche Träger der Mannhaftigkeit. Sie sollten ja tapfer kämpfen und ihren Tod standhaft ertragen. Manche Historiker meinen, je weniger die Römer im Alltag Virtus zeigen konnten, desto mehr bejubelten sie die Virtus bei den Gladiatoren.